Die Ausstellung vereint die Arbeiten von achtzehn Künstlern von Pig&Menti, die einen Forschungsweg zur Sprache der abstrakten und expressionistischen Malerei geteilt haben, und betrachtet sie nicht als kodifizierten Stil, sondern als einen offenen Raum für Ausdrucksmöglichkeiten.
Die Galerie, die kürzlich dem kulturellen Leben des Gebiets als Raum für Experimente und den Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und historischem Kontext des Cadore zurückgegeben wurde, stellt den idealen Ort dar, um ein Projekt zu beherbergen, das die Malerei als Wissensform in den Mittelpunkt stellt.
Die Idee, die das Projekt leitet, ist einfach und zugleich radikal: Die Malerei besitzt eine eigene Grammatik, die aus Farbe, Materie, Gesten, Rhythmus, Licht, Transparenzen, Dichte und räumlichen Beziehungen besteht.
Bevor sie überhaupt etwas darstellt, erzeugt sie Bedeutungen durch diese grundlegenden Elemente.
Gerade dieses Verständnis der malerischen Sprache, das auch durch zeitgenössische Studien zur Funktionsweise der visuellen Wahrnehmung und Kognition gestützt wird, bildet die Grundlage der Forschung des Vereins Pigmenti.
Die ausgestellten Werke — viele davon großen Formats — versuchen daher nicht, eine Geschichte zu erzählen oder ein erkennbares Sujet zu beschreiben. Vielmehr laden sie den Besucher ein, die Malerei selbst zu erfahren, indem Farbe, Oberflächenqualität, Bewegung des Strichs und die Kraft des Gestes Emotionen, Reflexionen und innere Bilder erzeugen.
Trotz eines gemeinsamen theoretischen Fundaments entwickelt jeder Künstler eine persönliche und erkennbare Sprache, die zeigt, wie eine rigorose Forschung äußerst unterschiedliche, kohärente und authentische Ergebnisse hervorbringen kann.
Ein Weg zwischen Geste, Materie und Vision Die Ausstellung entwickelt sich wie eine Reise durch verschiedene Möglichkeiten der malerischen Sprache.
Einige Werke schaffen weite Räume des Atems durch leichte Lasuren, transparente Flächen und große Kurven, die scheinen, die Ränder der Leinwand zu überschreiten.
Die Blauen und Grünen dialogieren mit den Weißen in einem ständigen Schwanken zwischen Tiefe und Oberfläche und suggerieren innere Landschaften, Bewegungen von Wasser oder Luft, ohne sie jemals direkt zu beschreiben.
Die Malerei wird so zur Erfahrung des Fließens, der Kontinuität und der Transformation. Andere Arbeiten verlassen sich hingegen auf die Spannung zwischen Vollem und Leerem.
Große stille Flächen werden von wenigen wesentlichen Zeichen durchzogen, als wären sie Spuren einer ursprünglichen Schrift.
Hier wird die Reduktion zu einer Form von Intensität: Jede Linie, jede Unterbrechung, jedes Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten erhält einen meditativen Wert, der eine metaphysische Dimension heraufbeschwört.
Es gibt dann Werke, in denen die Farbe sich in tiefen, fast mineralischen Feldern verdichtet, wo das Malmaterial die Zeit zu halten scheint.
Dunkle Töne, durch plötzliche helle Akzentuierungen durchzogen, schaffen schwebende Bilder, in denen das Licht langsam aus dem Schatten auftaucht wie Erinnerung oder Offenbarung.
Neben der Abstraktion findet auch eine Malerei Platz, die, obwohl sie eine starke gestische Freiheit bewahrt, das menschliche Gesicht sichtbar werden lässt.
In den großen Porträts wird das Subjekt nicht fotografisch beschrieben, sondern erhebt sich aus der Materie durch Schichtungen, Radierungen und schnelle Striche.
Das Gesicht wird so zum Ort, an dem Innerlichkeit und Emotion direkt in der Malerei Gestalt annehmen. Schließlich erscheinen Werke, in denen der Verweis auf die Landschaft erkennbar bleibt, aber tiefgreifend transformiert ist.
Berge, Eis, Horizonte und Reflexionen auf Wasser sind nicht einfach natürliche Ansichten: Sie werden zu essentiellen Strukturen des Blicks, zu Gelegenheiten, die Beziehung zwischen Wahrnehmung, Gedächtnis und der Konstruktion des Bildes zu erkunden.
In allen Werken tritt eine geteilte Überzeugung zu Tage: Die Malerei ist keine Sprache der Vergangenheit, sondern ein Instrument, das immer noch in der Lage ist, unsere Sicht- und Denkweisen in Frage zu stellen.
In einer Epoche, die von der Geschwindigkeit digitaler Bilder dominiert wird, verlangen diese Leinwände Zeit, Aufmerksamkeit und Präsenz und geben dem malerischen Gestus seine Fähigkeit zurück, Erfahrung zu produzieren.
Die Ausstellung stellt somit nicht nur eine kollektive Ausstellung dar, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Forschung, die künstlerische Praxis, theoretische Reflexion und das Studium der Wahrnehmungsprozesse verbindet.
Eine Einladung, die Malerei nicht als einfache Darstellung der Realität zu betrachten, sondern als eine der tiefsten Sprachen, durch die der Mensch weiterhin die Welt und sich selbst erkundet.
Freier Eintritt ohne Reservierung.